Worum geht es eigentlich bei der Prüfungspräsentation?

Aktualisiert: 30. Aug 2020

Die schriftlichen Prüfungen sind nun geschafft und man sieht schon das Licht am Ende des Tunnels. Doch wie geht man die letzte Hürde am besten an?


Bezüglich der mündlichen Präsentation herrscht wahrscheinlich die größte Unsicherheit, die eigentlich schon durchaus ihre Berechtigung hat. Dies liegt daran, dass durch die neue Prüfungsverordnung die Art der Prüfung und auch die Anforderungen an diese sich grundlegend geändert haben!


Wie war es früher?

Früher sah die mündliche Prüfung so aus:

Am Prüfungstag kam man zur IHK, bekam eine Aufgabenstellung, Flippchart beziehungsweise Folien für den Projektor und musste innerhalb der kürzesten Zeit eine Lösung erarbeiten.



Dabei kam es natürlich in der ersten Linie darauf an, dass die Prüfungsteilnehmenden das Problem korrekt erkennen und die richtigen Formeln für die Kennzahlenberechnung anwenden. Auf die vernünftige Analyse der Kennzahlen selbst, Interpretation, Ableitung möglichen Maßnahmen kam es nicht mehr an - dafür blieb einfach keine Zeit. Und das konnte man auch nicht in dieser kurzen Zeitspanne, abgeschottet im Prüfungsraum, vernünftig vorzubereiten! Was meinen Sie, wie oft man bei der Präsentation der Lösung gehört hat: "Umsatzrentabilität ist 4%, aber ob das gut oder schlecht ist, kann man erst beurteilen, wenn man Branchenvergleich macht." Oder: "Eigentlich, wäre hier die Entwicklung von Cashflow in den Folgejahren wichtig. Leider hat dazu die Vorbereitungszeit nicht mehr ausgereicht..."


Was ist jetzt?

Und genau jetzt, mit der neuen Prüfungsverordnung, die eine Vorbereitung "zuhause" vorsieht, haben Sie dafür endlich ausreichend Zeit und Möglichkeit! Eigentlich, ist es zu Ihren Gunsten, wenn Sie diese Möglichkeit richtig ausnutzen und auch effizient verwenden. Und es wird auch erwartet, dass Sie das wirklich tun! Bedauerlicherweise scheint es so, dass die Umstellung noch nicht richtig durchgedrungen ist. Man kriegt leider immer noch zu oft die Präsentationen, die hauptsächlich darauf konzentriert sind, irgendwelche Kennzahlen selbst als Zielergebnis zu präsentieren. Die wertvollste und sehr knappe Zeit (15 min.) wir dann auf die Erklärung der Rechenwege zu vergeuden. Am schlimmsten ist es, wenn das Ganze auch lediglich für ein einziges Berichtsjahr geschieht und nicht mal wenigstens die Entwicklung des Unternehmens gezeigt wird.


Ich liebe Bilder. Beim Unterrichten verwende ich auch immer verschiedene Schaubilder. Und hier mein Bild für Sie bezüglich der Vorbereitung zur Präsentation.

Ich nennen es das Eisberg-Prinzip. Wussten Sie, dass bei einem Eisberg 85% unter dem Wasser liegen und lediglich 15% für die Betrachtenden auf der Wasseroberfläche sichtbar sind? Nur deshalb hat es gewisse Stabilität und kann schwimmen.

Genauso ist es bei diesem Teil der Prüfung: Die 15 Minuten, die Sie präsentieren, ist die Quintessenz, die Krönung Ihrer Leistung. Das ist nur die Spitze von der Vorbereitung, die Sie im Vorfeld geleistet haben. Sie müssen aber auch jeden unsichtbaren Eiskristall Ihres Eisbergs kennen, um ein gutes Ergebnis abzuliefern.

Wenn Sie keine ausführliche Hintergrundarbeit geleistet haben, kippt Ihr Eisberg... äh Ihre Präsentation. Und für die ganz Genauen unter uns: Nein, mit 85 Minuten der Vorbereitungszeit werden Sie nicht auskommen ;-) Das Eisberg-Prinzip liefert nur das Schaubild, nicht aber die genauen Zeitangaben. In ihrem Informationsschreiben unterstreicht auch DIHK, dass alle Prüfungsleistungen eine gute und durchdachte Vorbereitung erfordern (DIHK; 2019, S.2).


Das Ziel des Fortbildungsabschlusses "Geprüfter Bilanzbuchhalter und Geprüfte Bilanzbuchhalterin" ist, eine Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit nachzuweisen, die auf einen beruflichen Aufstieg abzielt (§2 Abs. 1 BibuchhFPrV). Next Level. Mit dem Aufstieg sind auch andere Erwartungen an Sie gebunden. Sie müssen dann in der Lage sein, mit der Geschäftsführung auf Augenhöhe zu diskutieren. Ebenso müssen Sie in der Lage sein, die Geschäftsideen vom Management aus der Sicht des Rechnungswesens zu beurteilen und Auswirkungen auf beispielweise Compliance-Regelungen, Rentabilitätsentwicklung, Liquidität und Stabilität des Unternehmens zu prognostizieren. Sie werden zum Partner bei den wichtigen betrieblichen Entscheidungen.


Das bedeutet auch, dass Sie zum Beispiel die Kennzahlen nicht nur ermitteln müssen, sondern diese vor allem auch analysieren und interpretieren können. In wirklichem Leben geht es ja nicht darum, dass man für die Geschäftsleitung nur die Kennzahlen selbst präsentiert. Es geht viel mehr darum, was die Kennzahlen uns sagen, wie sie sich entwickelt haben, welche weitere Entwicklungen zu erwarten ist, und was die Zahlen bei der Konkurrenz machen.

Das ist auch grundsätzlich auf die Präsentation zu übertragen. Die Kennzahlen machen nichts anderes, als auf sehr aggregiertem Niveau die Geschehnisse des Unternehmens monetär abzubilden. Wenn Sie Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten, dann werden bestimmte Kennzahlen auf ein komplexes Problem der betrieblichen Praxis* hinweisen, und sie hat fast jedes Unternehmen, glauben Sie mir. Auch wenn Sie das Problem besser darstellen* wollen, werden Ihnen weiterführende Kennzahlen helfen, Ihre Theorien bezüglich der Problemursachen zu bestätigen oder zu widerlegen. Ebenso bei Beurteilung* sowohl der Problemstellung selbst als auch der Lösungsalternativen* werden die Kennzahlen gebraucht. Sie sehen aber, dass die Kennzahlen nicht das Ziel der Präsentation sind, sondern lediglich das Werkzeug, das Ihnen dabei die Argumentationsgrundlage und Beweise liefert.


Da das Thema der Präsentation sich auf den Handlungsbereich „Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten“ beziehen muss, sprechen wir beim nächsten Blogbeitrag darüber, wie man leicht gute Daten im ausreichenden Umfang für die Präsentations-vorbereitung beschafft. Stay tuned :-)


* Aus der Prüfungsverordnung: "In der Präsentation soll der Prüfungsteilnehmer oder die Prüfungsteilnehmerin nachweisen, dass er oder sie in der Lage ist, ein komplexes Problem der betrieblichen Praxis zu erfassen, darzustellen, zu beurteilen und zu lösen." (§6 Abs. 5 BibuchhFPrV)


Literaturquellen:

„DIHK“ (2019): DIHK-Information zum Abschluss Geprüfter Bilanzbuchhalter/Geprüfte Bilanzbuchhalterin. Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. Online im Internet: URL: https://www.bvbc.de/bundesverband-der-bilanzbuchhalter-und-controller/mitteilung/ (Zugriff am: 15.12.2019).

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